Das hotel mit Geschichte

Geschichte

Bevor 1914 in der Berner Zeughausgasse das neue Volkshaus eröffnet wurde, das heutige «Hotel Bern», war an dieser Stelle – bereits ein anderes Volkshaus. Es war das älteste in der Schweiz, viele Jahre lang geplant und 1893 verwirklicht.
Volkshaus_100_Jahre_Jubilaeumslogo

2014

Das Volkshaus Bern im Jubiläumsjahr

Sucht man im Jubiläumsjahr 2014 im Internet unter dem Begriff «Volkshaus
Bern», erscheint als erstes ein Wikipedia-Eintrag mit folgendem Wortlaut: «Das ehemalige Volkshaus Bern ist als Hotel Bern ein Business- und Seminarhotel in der Schweizer Hauptstadt Bern. Kennzeichnend
ist die sehr gut erhaltene Jugendstilfassade. »

Waren vor 50 Jahren noch Bäder und Kinos gefragt, stehen im modernen Bern andere Bedürfnisse im Vordergrund. Bern ist einerseits als Sitz des Bundes, des Kantons und der Stadtregierung eine Verwaltungsstadt, wie aber auch eine Wirtschaftsstadt mit zahlreichen kleinen, mittleren und grossen Unternehmen. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass die heutige Positionierung als 4-Sterne-Business- und Seminarhotel mit 100 Zimmern und über 800 m² Tagungsfläche, aber auch einem regional bekannten Restaurant, ein nachhaltiges Erfolgsrezept ist.

Wurde der Name Volkshaus im Jahr 1981 in Hotel Bern umgenannt, besinnt man sich heute wieder auf seine Wurzeln und eröffnete nach einer 53-tägigen Umbauphase mit vielen geladenen Gästen am 23. August 2013 das Restaurant Volkshaus 1914 Restaurant |Bar. Der neugewählte Name ist nicht die Erfindung der heutigen Generation, sondern darf auf eine 100-jährige geschichtsträchtige Vergangenheit zurück blicken.

Die beiden Architekten Ruedi Suppiger und Jörg Grunder haben es geschafft, Tradition und Modernität zu einem gelungenen Gesamtprodukt zu vereinen. Der Jugendstil der Fassade wurde in einer zeitgenössischen Form im Innern des Restaurants wieder gegeben, der Raum mit integrierter Bar wird als offen und hell empfunden. Als besonderes Bijoux darf das von Eduard Boss gemalte und für das Jubiläumsjahr renovierte Bild «der Redner» bezeichnet werden. Es ist das einzige Bild, dass den 100. Geburtstag des Volkshauses erleben darf, ein stummer Zeuge einer bewegten Zeit.

«Wenn das Haus eine Seele hat,
lebt ein Teil dieser Seele im
neuen Restaurant Volkshaus 1914 weiter.»

Philipp Näpflin, Direktor

1981

Auskernung und Neubau

An seinem fünfzigsten Geburtstag 1964 ist das Volkshaus wirtschaftlich konsolidiert. Die Umsätze sind in der Hochkonjunktur gewaltig angestiegen,
der Gewinn liegt weit über einer Million. Doch das Haus hat nun auch ein anderes Gesicht, die meisten Gewerkschaften sind ausgezogen. Auch deshalb wird ständig modernisiert und rationalisiert. 1972 wird der Bäderbetrieb eingestellt.

1974, nach Einbruch einer Wirtschaftskrise, übernimmt die Volkshaus AG das benachbarte «Hotel Continental» in Pacht, um endlich Zimmer mit eigenem Bad oder Dusche anbieten zu können. Der Mietvertrag bleibt bis 2006 bestehen. Ende der siebziger Jahre, die Umsätze gehen jetzt zurück, wagt man einen kompletten Neuanfang. Das Volkshaus von 1914 wird abgerissen. Ausser der Monumentalfassade zur Zeughausgasse und dem Erkerbau über dem Schützengässchen, der bisher als Treppenhaus diente, bleibt nichts mehr übrig. Hinter der Fassade entsteht ein anderes Haus. Die Architektur stammt von Hans und Gret Reinhard sowie Reinhard und Stephan Jaggi. Am 3. April 1981 beschliesst die Generalversammlung der Volkshaus AG mit 85,6 Prozent der Stimmen, das neue Gebäude nicht mehr Volkshaus, sondern «Hotel Bern» zu nennen und es auf den Standard eines Viersterne-Hotels auszubauen. Im März 1983 wird es feierlich eröffnet. Dreissig Jahre vergehen, bis man 2013 – beim Restaurant – wieder zum Namen «Volkshaus» zurückkehrt.

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Das Küchenpersonal im Volkshaus um 1920.

1944

Blut- und Leberwürste, Schildkrötensuppe

Das Volkshaus war ein Arbeiterlokal. Schlecht verdienende Leute wie der Dichter Robert Walser verkehrten hier in den 1920er Jahren zum Speisen. Allerdings wird dem Volkshaus bald auch vorgeworfen, es sei zu teuer und ein Gasthaus nur für die besser Situierten. «Volkshäuser müssen Volkspreise besitzen. Volkshäuser sollen dem einfachen Bürger ein schmackhaftes Essen, ein angenehmes, mit dem notwendigen Komfort ausgestattetes Hotelzimmer zu bescheidenen Preisen zur Verfügung stellen», heisst es im Jahresbericht 1947. Im vierten Jahr des Zweiten Weltkrieges und der eidgenössischen Lebensmittelrationierung tafelt man keineswegs armselig an diesem Ort. Sogar echte Schildkrötensuppe ist im Angebot.

Das Mittagsmenü dazu mal

Fr. 4.80, ohne Suppe 4 Fr. – Gebundene Ochsenschwanzsuppe oder Walliser Spargeln, Mayonnaise-Sauce –Kalbssteak «Prince Orloff», Kartoffeln, Püreespinat – Bordure Richelieu.

1941

Vom Generalstreik zur Nachlassstundung

Am 7. November 1918 ruft das «Oltener Aktionskomitee », das im Volkshaus tagt, einen Proteststreik aus, der schliesslich zum landesweiten Generalstreik führt, dem ersten und einzigen dieser Art in der Schweizer Geschichte: Der Bundesrat schlägt ihn mit Militäreinsätzen nieder, wobei sich die Truppen in Bern dezenter verhalten als etwa in Zürich oder Grenchen und hier keine Erschossenen liegen bleiben.

Von Beginn an hat die Arbeiterbewegung auch ihre Büros im Volkshaus, die Metallarbeiter, die Gipser und Maler, die Holzarbeiter, der Grütliverein, die Arbeiterunion und der Internationale Arbeiterverein logieren im dritten Stock über dem grossen Saal und unter den Hotelzimmern. Im ersten Stock gibt es eine Bibliothek, der zweistöckige Theater- und Kongresssaal ist auch als «Volkskino» eingerichtet, das Anfang 1919 seinen Betrieb aufnimmt.  Eine öffentliche Badanstalt für Männer und Frauen, denn die Arbeiterwohnungen sind zu dieser Zeit noch selten mit Bädern ausgestattet. Zwei Restaurants im Parterre, dazu ein Coiffeurgeschäft und jenseits des Schützengässchens ein Schuhladen der Konsumgenossenschaft.

1940 beantragt die Volkshaus AG ein Nachlassverfahren, die Gläubiger setzen eine Sanierungskommission ein, gleichzeitig akzeptieren sie ein mehrjähriges
Stillhalteabkommen. Hart am Konkurs vorbei wird das Kapital auf Null  abgeschrieben und eine neue AG gegründet, in die Anfang 1945 mehr als ein Dutzend Berner Gewerkschaften – von den Bau- und Holzarbeitern über die Buchbinder bis zu den Typographen –, die linke Unionsdruckerei und die Einwohnergemeinde neues Kapital in der Höhe von 214’000 Franken einzahlen. Mit der Sanierung verbunden sind massive Schuldverzichte und einige Umbauten, zum Beispiel wird das Männerbad mit dem Frauenbad zusammengelegt, alle Zimmer erhalten Telefon, auch die Heizung wird  erneuert. Und tatsächlich: Kaum geht der Zweite Weltkrieg zu Ende, beginnt schon alles zu bessern. Die neue Volkshaus AG weist steigende Gewinne aus.

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  • Hotel_Bern_Volkhaus_Eingang_1941
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Februar 1919: Kongress der «Berner Internationalen» im Volkshaus.

1915

Die Weltgeschichte zu Besuch

Für europäische Kriegsgegner war die Schweiz um 1915 ein relativ freier Ort. In Bern tummelten sich Exilanten – so auch Wladimir Illjitsch Uljanow, genannt Lenin. Von hier versuchte er, seine Genossen auf Linie zu bringen. Im Februar 1915 versammelte Lenin im neuen Volkshaus die Delegierten der bolschewistischen Auslandsgruppen – die Leute, die kurze Zeit später in Russland dann auch die Macht übernehmen.

1914

Palast aus Dreck und Eisen

Es trägt den Namen der Hauptstadt. Und wurde 1914 als «Palast aus Dreck und Eisen» (Beton) errichtet, als ein damaliges Ausrufezeichen der Moderne in einer Museumsstadt aus Sandstein. Die monumentale Jugendstilfassade plakatiert die selbstbewussten Ambitionen seiner Erbauer, namentlich der Arbeitervereine der Stadt. Mit dem Volkshaus hatten sich die Gewerkschaften nicht nur endlich ein eigenes Haus, mit Kino, Speiseanstalt, Frauen- und Männerbad geschaffen, sie brachten auch die die gesellschaftliche Modernisierung der Schweiz voran: Den Gesprächsraum forderten sie nicht für sich allein, sondern für alle.

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  • Hotel_Bern_Geschichte_Esssaal
  • Hotel_Bern_Geschichte_Unionssaal
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Hotel_Bern_Geschichte_Erstes_Volkshaus
Das erste Volkshaus in der Schweiz entstand an der Zeughausgasse 9 in Bern.

1893

Das Volkshaus vor dem Volkshaus

Bevor 1914 in der Berner Zeughausgasse das neue Volkshaus eröffnet wurde, das heutige «Hotel Bern», war an dieser Stelle – bereits ein anderes Volkshaus. Es war das älteste in der Schweiz, viele Jahre lang geplant und 1893 verwirklicht, als man zum Beispiel in Zürich gerade erst anfing, über ein eigenes Volkshaus nachzudenken.